Das Titelbild Gemeindebrief - Es wird die Kirche Hamswehr mit einer Glocke im Vordergrund gezeigt. In Hintergrund sieht man den Friedhof.

"Herr, deine Güte reicht,
so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit,
soweit die Wolken ziehen"
(Psalm 36, Vers 6)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen!

Gemeinsam Kirche sein

Wer in der Krummhörn unterwegs ist, weiß: Unsere Dörfer haben ihren ganz eigenen Charakter. Jedes erzählt seine Geschichte. Jede Kirche prägt das Ortsbild. Und doch gehört keines für sich allein. Straßen und Wege verbinden die Orte – und noch wichtiger sind die Menschen, die füreinander da sind.

Vielleicht ist das gerade heute wichtiger denn je. Vieles verändert sich. Unsere Gemeinden werden kleiner, Aufgaben werden größer und nicht alles kann so bleiben, wie wir es gewohnt sind. Das kann Sorgen bereiten. Mancher fragt sich: Wie wird unsere Kirche in Zukunft aussehen?

Die Bibel gibt darauf keine fertigen Konzepte. Aber sie erinnert uns daran, worauf es wirklich ankommt. Der Apostel Paulus schreibt: „Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus.“ (Römer 12,4–5).

Dieses Bild spricht auch in unsere Situation hinein. Kirche lebt nicht davon, dass jede Gemeinde alles allein schaffen muss. Sie lebt davon, dass Menschen sich von Christus zusammenführen lassen. Verschiedene Gaben ergänzen einander. Was der eine nicht leisten kann, bringt der andere ein. Niemand muss alles können. Aber gemeinsam können wir viel bewegen.

Vielleicht ist genau das eine Chance für unsere Kirchengemeinden in der Krummhörn. Nicht zuerst zu fragen: „Was verlieren wir?“ Sondern: „Was können wir miteinander gewinnen?“ Wenn wir Gottesdienste gemeinsam feiern, Erfahrungen teilen, Ehrenamtliche unterstützen, füreinander beten und einander besuchen, wächst etwas, das größer ist als die Grenzen eines einzelnen Dorfes.

Dann wird sichtbar: Wir sind nicht nur Nachbarn. Wir sind Geschwister im Glauben.

Dabei müssen die Besonderheiten unserer Dörfer nicht verloren gehen. Im Gegenteil. So wie jeder Mensch von Gott einzigartig geschaffen ist, darf auch jede Gemeinde ihr eigenes Gesicht behalten. Gemeinschaft bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Sie bedeutet, dass Verschiedenes zusammengehört und gemeinsam Christus bezeugt.

Jesus selbst hat seinen Jüngern zugesagt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Er hat keine Mindestgröße genannt und keine perfekte Organisation vorausgesetzt. Seine Verheißung gilt dort, wo Menschen sich um sein Wort versammeln und auf ihn vertrauen. Daraus lebt Kirche – damals wie heute.

Ich wünsche uns, dass wir diese Zuversicht nicht verlieren. Dass wir offen bleiben füreinander, neugierig aufeinander und dankbar für das, was Gott unter uns wachsen lässt. Unsere Kirchen stehen seit Jahrhunderten in den Dörfern der Krummhörn. Sie erinnern daran: Gott ist treu. Er hat seine Gemeinde bis heute getragen. Und er wird sie auch morgen nicht verlassen.

So dürfen wir unseren Weg gemeinsam gehen – nicht aus eigener Kraft, sondern im Vertrauen auf den, der seine Kirche baut und uns miteinander verbindet.

Herzliche Grüße
Nina Ziegler-Oltmanns

 

Die war die Andacht aus dem Gemeindebrief Nr. 7 - August/September 2026 für die Evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Campen, Hamswehrum, Upleward, Canum, Freepsum und Woltzeten.

Das Titelbild zeigt den Bezirk Hamswehrum (E. v. d. Linde).